Wie sieht der Markt für private Krankenversicherungen aus und wer kann sich privat versichern?
Jeder zehnte Deutsche hat in Deutschland in private Krankenversicherungen (PKV) versichert. Rund 9,6 Millionen Versicherte gibt es in der privaten Pflegeversicherung. Die Beträge für die Krankenvollversicherungen machten für die Branche im Jahr 2009 rund 31,5 Milliarden Euro aus. Männer sind mehr in privaten Krankenversicherungen abgesichert als Frauen. Größte Interessenvertretung in Deutschland ist der Verband der privaten Krankenversicherungen e.V. in Köln mit 43 ordentlichen und zwei außerordentlichen Mitgliedern. Rund zehn große Versicherungsunternehmen dominieren den Versicherungsmarkt mit Krankenvollversicherungen, Pflegeversicherungen und Zusatzversicherungen. In Deutschland können sich grundsätzlich Menschen versichern, die nicht in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert sind, dies sind vor allem Selbstständige, Freiberufler und Beamte. Arbeitnehmer können sich privat versichern, sofern ihr Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Diese Versicherungspflichtgrenze oder Jahresarbeitsentgeltgrenze muss in drei darauffolgenden Jahren nachgewiesen werden. Im Jahr 2011 lag die allgemeine Versicherungspflichtgrenze zum Beispiel bei einem Jahreseinkommen von 49.500 Euro. Zum Einkommen werden hier regelmäßige Gehaltsbestandteile gerechnet, zum Beispiel auch das Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Singt das Einkommen bei Angestellten zum Beispiel wieder unter die Versicherungspflichtgrenze, können die Gesetzlichen Krankenversicherungen eine Rückkehr eventuell ermöglichen. Seit dem Jahr 2011 gibt es das Gesetz zur nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-FinG), das auch für Privatversicherte Neuerungen brachte.
Wie werden die Tarife für private Krankenversicherungen berechnet und was ist der Basistarif?
Zwischen den Tarifen für Krankenvollversicherungen und Basistarifen muss man generell unterscheiden. Seit dem Jahr 2009 bieten die privaten Krankenversicherungen sogenannte Basistarife an, die einem Leistungsumfang wie die gesetzlichen Krankenversicherungen kennen. Einen höherwertigeren Versicherungsschutz hat man in der Regel bei diesen Tarifen nicht. Die Versicherungsleistungen durch die Basistarife orientieren sich an den Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Maßgeblich für die Basistarife bei den privaten Krankenversicherungen sind Kriterien wie das Eintrittsalter, das Geschlecht oder dem Leistungsumfang. Vorerkrankungen spielen beim Basistarif keine Rolle. Anders als bei den üblichen PKV werden keine individuellen Risikozuschläge angerechnet. Die maximale Beitragshöhe hängt bei Basistarifen von den durchschnittlichen Höchstbeträgen der gesetzlichen Krankenkassenbeiträge ab. Die Basistarife errechnen sich immer für eine versicherte Person, so muss zum Beispiel ein Ehepaar zwei Basistarife einrechnen.
Grundsätzlich sind die Beiträge zu den privaten Krankenversicherungen einkommensunabhängig, anderes als bei der GKV. Zur Bewertung der Beiträge fließen Kriterien wie das Geschlecht, das Eintrittsalter, der Gesundheitszustand, die Berufsgruppe oder die Wahlleistungen ein. Grundsätzlich können die privaten Krankenkassen, zum Beispiel durch die Vorerkrankungen, den Versicherungswunsch ablehnen. Die Beitragssteigerungen im Versicherungslauf sind durch viele komplexe Faktoren bestimmt, zum Beispiel durch den medizinischen Fortschritt, der Inflation oder Zinsen an den Kapitalmärkten. Jede Prämie wird mit einer gesetzlich vorgeschrieben Altersrückstellung versehen. Höhere Gesundheitsleistungen im Alter werden so in den Versicherungen eingepreist. Die Altersrückstellungen fallen immer der Versicherungsgemeinschaft zu und können zum Beispiel im Fall eines Anbieterwechsels nicht mitgenommen werden. Generell steigen die Beiträge im Versicherungsverlauf an.
Welche Leistungen bieten die PKV an und wie findet man die richtige Krankenversicherung?
Die Teilleistungen der Versicherer können sehr individuell zusammengestellt werden, so kann man persönliche Leistungspakte schnüren. Stationäre, ambulante oder zahnmedizinische Leistungen kann man individuell wählen. Meistens werden Features wie: freie Krankenhaus- und Arztwahl, Zweibettzimmer, Chefarztbehandlung oder 90 Prozent Erstattung bei Zahnbehandlungen angeboten. Für Arzt- und Zahnarzthonorare sollte man den Höchstsatz einpreisen, der beim 3,5-fachen liegt. Die Wahl der richtigen Krankenversicherung muss immer sehr individuell gesehen werden und hängt sehr von den Services ab. An günstige Tarife kommen vor allem Männer, die unter 40 Jahre, besserverdienend und ohne graffierende Vorerkrankungen sind. Die Tarife gehen generell sehr weit durch die Bewertungskriterien und flexiblen Leistungspakte auseinander. Viele Tests und Versicherungsvergleiche findet man im Internet, ebenso PKV-Rechner.