Was bieten Rohstoffanlagen und wo werden Rohstoffe international gehandelt?
Der internationale Rohstoffmarkt hat in den letzten Jahren ein immenses Wachstum erfahren. Rohstoffmärkte für Agrarprodukte, Edelmetalle oder Energieträger boomen. Vor allem die Rohstoffnachfrage in China hat den Markt bewegt. Für viele Anleger ist der Rohstoffmarkt ein neues Anlagesegment geworden. Vor allem durch die Finanzkrise 2008 sind viele Anleger in sichere Investments wie Gold gegangen. Gold, Silber und Platin haben seit 1990 immense Kurssteigerungen erfahren. Ob die Wertsteigerung, zum Beispiel bei Gold, im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends anhält, ist unter Experten umstritten. Der Rohstoffmarkt ist generell ein Markt mit starken täglichen Kursschwankungen, der vor allem auch von Konjunkturdaten der führenden westlichen Industrieländer und China abhängig ist. In den letzten Jahren waren es aber vor allem Spekulanten, die den Preis für viele Rohstoffe in die Höhe getrieben haben, mit nachhaltigen sozialen Auswirkungen, vor allem auf die Entwicklungsländer, die Rohstoffe für das tägliche Leben exportieren müssen, wie zum Beispiel Weizen oder Reis. Es gibt einige Schwellen- und Entwicklungsländer die auf Grund dessen lebenswichtige Rohstoffe, zum Beispiel Agrarprodukte, industriell verstaatlicht haben. Den Rohstoffmarkt prägen auch sehr stark die gewachsenen Spielregeln des außerbörslichen Handels, dem sogenannten OTC-Handel (Over-the-counter). In Europa ist der wichtigste Handelsplatz für Rohstoffe wie Edelmetalle, Industriemetalle oder Energieträger die britische Handelsmetropole London. In London sitzt zum Beispiel die Börse für Industriemetall, die London Metal Exchange, der Marktplatz für Edelmetalle wie Gold, Platin oder Silber, der London Bullion Market, oder die International Petroleum Exchange (IPE). Über London wird auch die wichtigste europäische Rohölsorte Brent gehandelt. Der wichtigste Preisfindungsmarkt für Mineralölprodukte ist der Rotterdamer Hafen (siehe Artikel Erdöl). Eine der führenden Energiebörsen in Europa ist die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. Hier wird mit Strom, Erdgas, Kohle oder CO2-Emmissionsrechten gehandelt. Beim kurzfristigen Stromhandel spricht man vom Spotmarkt. An der Energiebörse in Leipzig ist sowohl der Spot-Handel als auch der Terminhandel für Energieträger ansässig. Große Rohstoffbörsen finden sich international in New York, unter anderem mit der Metallbörse oder in Chicago. Die Chicago Board of Trade ist die älteste Terminbörse der Welt und fusionierte mit der Chicago Mercantile Exchange (CME).
Was muss man bei Rohstoffanlagen beachten und was bieten Rohstoff-Fonds?
Zu beachten ist bei Rohstoff-Investments immer das Wechselkursrisiko. Alle internationalen Rohstoffe laufen über den US-Dollar und unterliegen teils sehr starken Kursschwankungen. Wer in Rohstoffe investieren will, braucht viel Marktwissen über Termingeschäfte mit Finanzinstrumenten wie Futures und Optionen. Für konservativere Anleger sind eventuell Rohstoff-Fonds eine Alternative. Desto rohstoffspezifischer und regionaler die Fonds ausgelegt sind, desto spekulativer wird das Investment. Konservative Anleger sollten eher in Rohstoff-Fonds investieren, die breiter und internationaler aufgestellt sind. Die Performances über Jahre und Jahrzehnte sollte immer in die Analyse mit aufgenommen werden. Es gibt zahlreiche Rohstoff-Fonds, die ihre Tauglichkeit über Jahrzehnte bewiesen haben. Teils haben die erfolgreichen Fonds eine durchschnittliche Rendite p.a. von 10 Prozent über ein Jahrzehnt. Für spekulative Anleger kann der Derivat-Handel interessant sein. Informationen zu den Produkten bietet zum Beispiel die größte europäische Terminbörse Eurex (siehe Artikel Derivate).
Wer kontrolliert den Wertpapiermarkt in Europa und Deutschland und wo kann man sich über den Rohstoffmarkt informieren?
Jüngst haben drei neue europäische Aufsichtsbehörden ihren Dienst aufgenommen, zum Beispiel die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde European Securities and Markets Authority (ESMA) in Paris. Sie kontrolliert unter anderem den Handel mit Derivaten. Zum Beispiel legt sie zukünftig auch fest, welche OTC-Produkte mit systemrelevanten Risiken behaftet sind. In einem systemrelevanten Risikofall sollen dann die OTC-Produkte nur verpflichtend über Börsen transparenter gehandelt werden. In Deutschland ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Aufsicht zuständig. Anleger finden hier zahlreiche Informationen über die Marktsegmente und Anbieter. Neben den Informationsanbietern im Internet für Rohstoff-Anlagen gibt es zahlreiche Seminare und Fortbildungen, die interessierte Anleger wahrnehmen können. Die Eurex in Zürich und viele andere Börsen und spezialisierte Anlageberatungen bieten zum Beispiel für interessierte Anleger Basisseminare und Fortbildungen an.