Rohstoffe & Welthandel

Mehr als ein Drittel aller Güter im internationalen Warenhandel stellen Rohstoffe dar, die rudimentär in die Klassen Agrarrohstoff, Viehwirtschaft, Energie und Edel- und Industriemetalle unterschieden werden. Gerade die Schwellenländer China, Indien und Brasilien haben heute einen immensen Bedarf an Rohstoffen, die importiert werden. Die wichtigsten internationalen Handelswege stellen die Seewege dar. Rund 90 Prozent aller Güter im Welthandel werden über den Seeweg transportiert. Vor allem die Container-Schiffe spielen im Welthandel eine einzigartige Rolle. Die wichtigste Schifffahrtsverbindung ist die Europa-Fernost-Route. Die größten Container-Schiffe transportieren heute bis zu 15.000 Container, die als Großraumcontainer bis zu 20 Fuß groß sind. Nicht nur die Schiffe sind immer größer geworden, sondern auch die wichtigen Container-Häfen der Welt. Zu den größten Umschlagplätzen für internationale Güter gehören vor allem die chinesischen Häfen in Hongkong, Shanghai und Shenzhen sowie der größte Containerhafen Singapur. Die Seehäfen in Singapur wie der Port of Singapore, der größte Frachthafen Singapurs, sind alleine mit 300 Kränen ausgestattet. Zu den wichtigsten Seehäfen in Europa gehören die Häfen in Rotterdam, Hamburg und Antwerpen. Der Hamburger Hafen ist der drittgrößte europäische Hafen, der alleine an 900 internationale Häfen angebunden ist. Rund 140 Millionen Tonnen an Waren wurden im Jahr 2008 hier umgeschlagen. Der Hamburger Hafen ist auch der wichtigste Standort für die internationale Mineralölindustrie für Deutschland sowie wichtigster Hafen für Rohkaffee, der hier auch verarbeitet wird. Der Rohstoffhandel ist vor allem auch geprägt durch die nationalen Wirtschaftsinteressen. Es gibt zahlreiche internationale Handelsabkommen und Handelsorganisationen, allen voran die Welthandelsorganisation (WTO) in Genf. Hier beschäftigt man sich mit den internationalen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen in der Welt. In der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Genf sind die Entwicklungsländer durch die Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD ) vertreten, die sich mit dem Handel von Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer befasst. Vor allem für die Interessen der Entwicklungsländer im weltweiten Handel ist die UNCTAD überaus wichtig

Bei Regelungen zum internationalen Seerecht ist vor allem das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen, kurz SRÜ, überaus wichtig. Hier spielen internationale Regelungen zur Verhinderung der Meeresressourcen-Ausbeutung eine zentrale Rolle. Ein sehr wichtiger Preisindex für Hauptfrachtgüter, die international verschifft werden, ist der sogenannte Baltic Dry Index (BDI). Wochentags von Montag bis Freitag wird um 14 MEZ der Index an der Baltic Exchange in London veröffentlicht. Er gilt als Frühindikator des Welthandels und gliedert sich in verschiedene Indizes, die 26 Hauptschifffahrtsrouten im Welthandel berücksichtigen. Ein anderer relevanter Index für den Welthandel ist der Rohstoffindex CRB Index. Den CRB Index gibt es seit den 1950er Jahren und ist der weltweit älteste Rohstoffindex. Der heutige Reuters/Jefferies CRB Index wird aus verschiedenen Futures in vier Kategorien gebildet. In dem Rohstoffindex sind bestimmte Rohstoffe mit einer spezifischen Gewichtung vertreten, die an wichtigen Börsen gehandelt werden. Erdöl hat zum Beispiel die höchste Prozentgewichtung in diesem Index. Sojabohnen, Rinder oder Gold sind höher gewichtet als zum Beispiel Schweine oder Orangensaft.

Im internationalen Rohstoffmarkt gibt es traditionell einige traditionsreiche Börsen. Die wichtigsten Rohstoffbörsen weltweit sind die Chicago Board of Trade (CBOT), die Chicago Mercantile Exchange (CME) und die New York Mercantile Exchange (NYMEX). Letztere Börse ist die größte Börse im Energiebereich. Hier wird unter anderem Rohöl oder Erdgas international gehandelt. In London gibt es die Metallbörse London Metal Exchange, die zu den größten Metallbörsen der Welt gehört und vor allem unedle und sonstige Metalle im Kassa- und Termingeschäft handelt. Neben New York und London ist eine der wichtigen Metallbörsen die Singapur-Metallbörse. Die älteste Börse der Welt ist die Chicago Board of Trade, die 1848 gegründet wurde. Hier werden Dutzende von verschiedenen Kategorien von Termingeschäften auf dem Parkett und im elektronischen Handel abgewickelt. Im Erfolgsjahr 2003 wurden hier über 450 Millionen Verträge abgeschlossen. Aus der Fusion der Chicago Mercantile Exchange und der Chicago Board of Trade entstand im Jahr 2007 eine der weltgrößten Optionsbörsen: die CME Group. Im Jahr 2008 machte die Börsengruppe einen Umsatz von 2,6 Milliarden US-Dollar. In der altehrwürdigen Chicago Board of Trade werden so wichtige Güter wie Weizen, Mais oder Sojabohnen gehandelt. Die Preise der Rohstoffe sind von vielen Faktoren abhängig, vor allem von der Rohstoffknappheit und der Nachfrage in den großen Industrie- und Schwellenländern wie den USA oder China. Durch die Preisschwankungen, die sich in kurzer Zeit ergeben können, stellen Rohstoff-Investments eine eigene Anlageklasse dar, wo man fundierte Kenntnisse haben muss. Teils können die Preise schon auf dem Seeweg von A nach B stark ausschlagen.

Rohstoffgeschäfte werden in der Regel über Futures abgewickelt. Futures stellen börsengehandelte Termingeschäfte dar, die auf ein bestimmtes Gut abgeschlossen werden. Beziehen sich die Futures auf bestimmte Waren wie Öl, Kaffee oder Edelmetalle, so werden diese Commodity Futures genannt. Man kann Futures-Trading über einen längeren Zeitraum oder als Day-Trading betreiben. Bei Futures verpflichte sich die eine Seite ein bestimmtes Gut an einem bestimmten Tag und Ort sowie in bestimmten Mengen und einer ausgemachten Qualität zu liefern, während die andere Vertragspartei die Warenabnahme verpflichtend eingeht. Es gibt also verpflichtende Kriterien der Lieferung und der Abnahme der Ware für die Vertragsparteien, was charakterisierend für dieses Warengeschäft ist. Beide Vertragsparteien bezahlen eine Vorschusszahlung als Marge, was eine Sicherheitsleistung darstellt. Die Sicherheitsleistung kann als Marge innerhalb der Laufzeit variabel sein. Für interessierte Anleger können Rohstoff-Fonds eine gute Alternative darstellen. Man kann hier zum Beispiel in Edelmetalle, Nicht-Edelmetalle oder andere Waren wie Holz, Öl oder Gas investieren. Hier wird oft in Wertpapiere der Emittenten aus dem Rohstoffmarkt investiert. Es gibt zahlreiche internationale Fonds, die bestimmte Rohstoffanlage-Segmente fokussieren. Über die Chancen und Risiken sollte man sich seriös vorab informieren. Das vorliegende Portal beschäftigt sich hauptsächlich mit Waren aus dem Agrarbereich und der Viehwirtschaft sowie dem Welthandel.