Rind & Rindfleisch

Im internationalen Rohstoffhandel gehört zur Gruppe der Agrarrohstoffe auch die viehwirtschaftlichen Rohstoffe wie Lebendrind und Mastrind. An den Warenterminbörsen sind die englischen Begriffe Feeder cattle für Mastrind und Live cattle für Lebendrind üblich. Als Lebendrind werden Rinder bezeichnet, die unmittelbar vor der Schlachtung stehen. Bei der Schlachtung müssen die Rinder ein durchschnittliches Gewicht von 1.200 amerikanisches Pfund haben, was 544 Kilogramm entspricht. Die Zwischenstufe zwischen Kälber und Lebendrinder definiert man als Mastrinder. Mastrinder, oder auch Jungrinder genannt, werden ab einem bestimmten Gewicht zur weiteren Mast an Farmer verkauft, bis sie letztendlich das durchschnittliche Gewicht eines Lebendrindes im Handel haben und dann an die Schlachthöfe verkauft werden. Es gibt demnach im Handel eine enge Verbindung zwischen Mastrind- und Lebendrindindikatoren. Im Agrarrohstoffhandel mit Rindern spielen viele Marktfaktoren eine wichtige Rolle, unter anderem die Preise für Futtermittel wie Mais oder Tierepidemien und natürlich die Marktnachfrage. Nach dem der Konsum in Europa in den 1990er Jahren zurückging, hat sich der Rindfleischkonsum in Europa seit 2000 wieder erholt. Die Prognosen für Fleischmärkte sind unter anderem auch abhängig von volkswirtschaftlichen Faktoren, so führte die Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 zu einer geringeren Nachfrage an Fleischprodukten, da preisbewusste Käufer diese weniger konsumierten. Das Exportaufkommen oder der Kurs des Dollars bestimmen ebenfalls die internationalen Preise im Rindfleischhandel. Die Nachfrage an Kalbfleisch ist in Ländern wie Deutschland vor allem in der Weihnachtszeit groß. Rindfleisch aus hochwertiger ökologischer Viehwirtschaft ist heute vermehrt im Kommen. Im Handel müssen Rindfleischprodukte nach dem deutschen Rindfleischetikettierungsgesetz die Herkunft der Produkte klar ausweisen. Das Rindfleischetikettierungsgesetz von 1998 war eine Folge des BSE-Skandals.

International sind die USA der größte Produzent von Rindfleisch. Große Bestände an Lebendrind findet man in Bundesstaaten wie Texas, Montana oder Kansas. Nach den USA sind die wichtigsten Rindfleischerzeuger Brasilien und China. In Europa führen Deutschland, Frankreich und Italien in der Produktion von Rindfleisch. Weltweit sind die Argentinier und die US-Amerikaner die größten Konsumenten für Fleischprodukte aus der Rinderzucht. Der Aufbau der Rinderherden dauert sehr lange: im Durchschnitt zwischen 7-12 Jahren. Kommt es zu einem Engpass an Mastrindern im Welthandel, so hat diese auch elementare Auswirkungen auf den Markt an Lebendrindern, die geschlachtet werden, und letztendlich auch auf die weltweite Angebotssituation bei Rindfleisch. Vor allem die Marktindikatoren im Bereich Mastrind sind für eine zukünftige Einschätzung des Schlachttiermarktes überaus wichtig. Mastrinder werden an der Chicago Mercantile Exchange (LME) zum Beispiel als Futures gehandelt. Mastrind-Futures werden hier nach US- Cent pro amerikanisches Pfund gehandelt. Es gibt im Handel ein Schwankungslimit von drei Cent am Handelstag nach den Notierungen des Vortages. Diese Spanne kann unter bestimmten Marktumständen vergrößert werden. Für private Anleger eignen sich zum Beispiel im Handel mit Rindern spezielle Zertifikate von Emittenten.